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Wolfgang Theis: Von der Freiheit des Migranten. Einsprüche gegen den Nationalismus

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Wolfgang Theis: Von der Freiheit des Migranten. Einsprüche gegen den Nationalismus -
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Vortrag
Zeit: Mo, 3. 11. 2014, 16:00
Ort: Kampus, Raum MF 01.32

Abstract
„Migration ist eine kreative Situation. Und eine schmerzhafte. Wer die Heimat verlässt (aus Zwang, oder aus freier Wahl, beides ist schwer zu unterscheiden), leidet. Denn tausend Fäden verbinden ihn mit der Heimat, und wenn diese durchschnitten sind, ist es, als hätte ein chirurgischer Eingriff stattgefunden“ (Flusser, 1994). Der tschechische Kommunikationstheoretiker und „digitale Vordenker“, Vilem Flusser, musste 1939 vor den Nazis aus Prag fliehen. Über London gelangte er 1940 schließlich nach Brasilien, wo er bis 1972 blieb. Aber auch aus Brasilien musste er aufgrund der dort herrschenden Diktatur emigrieren, bis er sich nach einem einjährigen Zwischenaufenthalt in Meran schließlich in Robion, Südfrankreich, niederließ. Flusser sah sich als ein ständiger Migrant, wobei er die Erfahrung der Migration nicht als schmerzlich leidend sah, sondern als Möglichkeit einer neuen Erfahrung, welche die Möglichkeit gibt die (schmerzhafte) Trennung zu überwinden und sich „frei seinen Nächsten zu wählen“ (Flusser, 1994). Er stellt hier nicht die Frage des „frei wovon?“, sondern die Frage des „frei wofür?“. Dabei gibt er sich selbst die Antwort: „Der Mensch ist frei, weil er sich mit einer unvorhersehbaren und unerklärlichen Bewegung gegen seine Bedingungen empören kann und sie verändern kann“. Somit ist der Konzept der Freiheit des Migranten bei Flusser ein individuelles Konzept, welches nicht in den Traditionen der Freiheit eines Immanuel Kant, Georg Friedrich Hegel, John Stuart Mill oder August von Hayek steht. Vilem Flusser sieht in der Freiheit die Möglichkeit zur Veränderung der Bedingungen des Menschen. Das heißt, dass die Möglichkeit zur Migration auch die Möglichkeit zur Freiheit bedeutet. „Wir Migranten sind die Fenster, durch welche die Einheimischen die Welt sehen können“ (Flusser, 1994) und „A man is not a tree“ (Flusser, ibid.) sind nur zwei weitere Sätze mit welchen Flusser klar macht, dass die Freiheit des Migranten
einerseits nur durch das Loslassen und Abschneiden der geheimnisvollen Fäden, welche ihn an die Heimat binden, möglich ist und andererseits die Aufnahme und das Zugehen auf den geheimnisvollen, bedrohlichen Fremden, es ermöglicht eine völlig neue Welt zu sehen und zu erfahren.

Der Begriff der „Heimat“ jedoch selbst ist ein sehr abstrakter Begriff, denn der Mensch ist ein wohnendes Wesen, aber kein beheimatetes. Wohnen kann und muss der Mensch überall, aber eine Heimat zu finden, dies ist etwas schwieriger. Dass nationalistische Strömungen mit dem Begriff der „Heimat“ unreflektiert umgehen ist durchaus bedenkenswert, denn oft wird dieser mit Nation bzw. dem Staat gleichgesetzt. Was aber ist die Nation? Von Frankreich aus gesehen „ist jeder Staat ein Nationalstaat, weil ‚Nation‘ statt ‚König‘ steht. Von Deutschland aus (von wo das ‚Volk‘ herkommt) gibt es drei Staatstypen: 1) ein Volk, ein Reich und womöglich ein Führer, 2) ein Volk und einige Reiche und 3) ein Reich und mehrere Völker“ (Flusser, 1994). Somit ist auch der Begriff der Nation und damit des Nationalismus zu hinterfragen, denn „der Nationalismus ist ein Gespenst, das in verschiedenen Gestalten aus dem Abgrund auftaucht, der sich beim Zusammenbruch der politischen Vernunft (raison d‘ etat) öffnet und es ist ihm mit Vernunft nicht beizukommen“ (Flusser, 1994).

Weiterführendes:
Flusser, Vilem (1992) Bodenlos, eine philosophische Autobiographie, Bollmann Verlag, Düsseldorf.
Flusser, Vilem (1994) Von der Freiheit des Migranten, Einsprüche gegen den Nationalismus, Bollmann Verlag, Düsseldorf.
Flusser, Vilem (1999) Heimat und Heimatlosigkeit, Suppose Verlag, Köln.
Theis, Wolfgang (2012) Heimat - um termo abstrato, Revista Primus Vitam, 4 . pp. 1-7. ISSN 2236-7799, Sao Paulo.
Theis, Wolfgang (2012) O Patriotismo e Nacionalismo de Migrante, Revista Primus Vitam, 4 . pp. 55-63. ISSN 2236-7799, Sao Paulo.

Wolfgang Theis: Von der Freiheit des Migranten. Einsprüche gegen den Nationalismus. 2014-11-03 17:00:00 - .
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